Vögel to go!

Apr 22, 2015
wordpressadmin

8.5.: UPDATE oder HAPPY END: der Baum bleibt (vorläufig) stehen! Mehr darüber in Kürze hier!

Ein etwas reißerischer Titel, nicht wahr?! Aber gewirkt hat er – sonst wärest du, lieber Leser, liebe Leserin, nicht gerade dabei, neugierig diese Buchstaben zu einem Satz zusammenzubasteln!

In der Tat ist in diesem kleinen Anreißer aber wirklich alles gesagt: es geht um Vögel, und es geht darum, dass sie weg sollen oder “gehen” müssen. Aber natürlich ging dem allen auch ein Vögeln der Vögel voraus, sonst hätte die ganze Geschichte um das Vogelnest im Baum vor meinem Fenster ja gar keine Substanz! Sollte jetzt jemand gelangweilt seufzen “Ach sooo…” und sich überlegen, gleich wieder weiterzuklicken, dann wäre das sehr schade, denn es folgt eine tolle Geschichte – ich hätte aber bereits dennoch mein erstes Ziel erreicht: dein Besuch auf meiner Seite ist somit als Klick registriert!

Schon beim Lesen der Anzeige für die Wohnung – “Terrasse mit direktem Grünblick” – habe ich mich in den Gedanken verliebt, beinahe in einer Baumkrone zu leben. Der großgewachsene Götterbaum im Innenhof umspannt nämlich mit seinem Blätterdach beinahe den ganzen Hofbereich, die Spitze der Krone schießt sogar schon weit über die umgebenden Hausdächer hinaus. Auch wenn er fast genau in der Mitte des Hofes wurzelt, gehört er doch eindeutig zum Nachbargrundstück.

Vogelnest_4Beinahe zeitgleich mit dem Auftauchen eines Nebelkrähenpärchens, das Ende März begonnen hatten ein Nest im Baum zu bauen, erfuhr ich von einer Nachbarin, dass es einen Bescheid vom Magistrat gäbe, wonach der Götterbaum demnächst umgeschnitten werden sollte. Angeblich sei  der Bescheid nicht anfechtbar, als Grund für die Abholzung, hätte sie gehört, dass das weitverzweigte Wurzelwerk und das ausladende Geäst, das der Bausubstanz schaden würde, genannt wurde. Mir ist durchaus bewusst, dass Schäden an Gebäuden ein triftiger Grund sind, um die Genehmigung für ein Fällen zu erteilen, allerdings sind,  zumindest für den Laien, keinerlei Risse im Beton des Innenhofs erkennbar, noch sieht der Baum in irgendeiner Form krank aus und hat morsche Äste.

Einige Tage später, die Krähen bauten inzwischen munter an ihrem Nest weiter, das bereits beachtliche Dimensionen erreicht hatte, gab es im Innenhof eine Besichtigung der Firma, die von der Hausverwaltung des Nachbarhauses für das Fällen beauftragt worden war. ( In Zukunft hier als “Schlägertruppe” bezeichnet. ) Ratlose Gesichter, ob der Größe des Baumes sowie der wohl anzuwendenen Technik, dem Riesen beizukommen, zeichneten sich ab. Es wurde eifrigst herumtelefoniert, probegeklettert und auch stümperhaft probegeschnitten. Ich denke, man muss kein Baumfällexperte sein um zu erkennen, dass hier einfach eine Firma oder “Firma” ( es gilt natürlich die Unschuldsvermutung ), beauftragt wurde, die ansonsten eher mit dem Zurechtstutzen von Thujenhecken, Entrümpelungen oder Abrissarbeiten zu tun hat. Währenddessen war das Krähennest schon fast fertig gebaut…

Vogelnest_3(der erste Besuch der “Schlägertruppe” Ende März, ratlose Gesichter…)

Im Lauf der nächsten Woche konnte ich beinahe täglich das Krähenpärchen beobachten, das, nachdem das stattliche Nest nun endlich fertig war, in die nächste Phase, nämlich die des Brütens übergegangen war. In meinem wirklichen Leben noch weit von Hausbau und Kinderplanung entfernt, bot das Krähenpärchen in direkter Nachbarschaft einen netten Kontrast zu meinem weniger häuslichen Leben, das ich von meinem Beobachtungsposten Terrasse aus gut im Blick hatte.

Vogelnest_5Eines Tages war die “Schlägertruppe” wieder zurück – und mit ihr schweres Geschütz in Form eines ausfahrbaren Korbes. Nach einigen, von lautem Stimmengewirr quitierten Fahrversuchen, wurde das Ding wieder auf den Boden gebracht und die ratlosen Gesichter starrten neuerlich nach oben.

In diesem Moment war es mir dann wohl bewusst geworden, dass das geringste Problem dieser Truppe das Vogelnest war und hier natürlich keinerlei Rücksichtnahme auf das brütende Krähenpärchen zu erwarten war. Das Umschneiden des Baumes war die eine Sache, der Gedanke an das am Boden liegende, zerstörte Vogelnest wohl das Tüpfelchen auf dem i, das mich dazu brachte, zum Telefonhörer zu greifen.

Als erste Anlaufstelle wurde das Bezirksamt angerufen, kurz die Situation geschildert: “Baum wird umgeschitten – Nest mit brütenden Nebelkrähen – “jeder Käfer in der Lobau wird gerettet” – kann man da nix machen?”, so in etwa lautete der Grundtenor meiner Anfrage. Wohlweislich stellte ich schon anfänglich fest, dass sie bitte jetzt nicht denken sollten, es mit einer schrulligen Alten zu tun zu haben, die einer  Frau Kaiser gleich, als Querulantin im Gemeindebau die täglichen Abläufe stört und das Leben der Anderen zur Hölle macht. Der guten Sache wegen kann ich aber auch mit diesem Bild von mir in den Köpfen meiner Gesprächspartner gut leben!

Im Laufe der nächsten 12 Stunden wurde ich sage und schreibe 8 (!) Mal weiterverbunden. Vom Bezirksamt kam ich ins Bürgerbüro, ins Rathaus und landete erst einmal bei der MA42, den Wiener Stadtgärtnern. Hier war der zuständige Beamte leider nicht mehr im Haus. Am nächsten Tag rief ich zeitgleich mit dem Auftauchen der “Schlägertruppe” in der Früh wieder an. Diesmal erreichte ich den zuständigen Beamten auf Anhieb. Allerdings war er dann doch nicht so zuständig wie mir vorerst versichert worden war, es ging wieder retour in den Bezirk um einmal die Frage zu klären, ob der Bescheid zur Fällung des Baumes überhaupt rechtens sei. Das war er! Grund konnte mir keiner genannt werden, nur, dass innerhalb der nächsten 12 Monate eine Ersatzpflanzung zu erfolgen hätte.

Vogelnest_6Hier hatte man dann auch den Tipp für die Zuständigkeiten parat: “Für den Baum ist die MA42 zuständig, für das Vogelnest die MA22!”. Die zuständige Stelle für den Umweltschutz war es dann auch, die, als achte gewählte Instanz, endlich für mein Anliegen zuständig war. Während im im Hof bereits die Hebebühne wieder ausgefahren wurde, versicherte mir ein freundlicher Herr am Telefon, dass er mein Anliegen gerne einmal vorbringen würde ( bei den zuständigen Arbeitskollegen (?)) und wollte schon auflegen, als mein beinahe tonloses “Dann, lieber Herr, wird es eindeutig schon zu spät sein!” ihm wohl erbarmte – oder ob der Nachdrücklichkeit, mit der es vorgebracht worden war, Angst machte…

Auf alle Fälle verging keine Stunde, als im Innenhof zwei Beamte der MA22 auftauchten, die sich augenblicklich ein Bild der Lage machten. Ich glaube, ab diesem Moment hätte mich die “Schlägertruppe” zu gerne an die Raben verfüttert, denn im Laufe der nächsten 30 Minuten packte sie laut diskutierend ihr Arbeitsmaterial zusammen und zog von dannen.

Im anschließenden Telefonat mit der zuständigen Beamtin erfuhr ich, dass es sehr wohl nicht erlaubt sei, einen Baum zu fällen, wenn eindeutig ein Brutverhalten von Vögeln erkennbar sei. Um hier auch wirklich sicher zu gehen – gibt es eigentlich Scheinbrütungen? – würde demnächst eine Drohne gestartet werden (!), damit man auch wirklich sicher gehen könnte, dass hier gebrütet wird bzw. um nachzusehen, ob es bereits Jungvögel gibt. Im Gespräch gab sie auch zu verstehen, dass sie meine Einstellung teile, zu hinterfragen, ob hier eigentlich der Baum unbedingt gefällt werden müsse und ob es nicht genüge, ihn einfach großzügig zurückzuschneiden. Auf Anfrage bei der “Schlägertruppe” hätte sie zu hören bekommen, dass das nicht machbar sei…

Vogelnest_8Bis auf Weiteres ist nun das Fällen des Baumes vertagt, zuerst müssen die Vögel schlüpfen bzw. selbständig das Nest verlassen können! Dieses vorläufige Verbot hinderte einige Männer – von der “Schlägertruppe” (?) – jedoch nicht, einige Tage später wieder mit Sägen und Gurten im Innenhof aufzutauchen. Ein neuerlicher Anruf bei der MA22 und damit verbundenes Intervenieren ließ sich jedoch nach ca. einer Stunde wieder unverrichteter Dinge abziehen.

Liebe Leute, nun könnt ihr mich für schrullig halten oder nicht, aber ich finde, dass es sich einfach auszahlt, für manche Dinge zu kämpfen. Man kann mir jetzt Eigennutz unterstellen ( ein Baum im Innenhof ist schöner als kein Baum im Innenhof ), aber im Prinzip geht es mir wirklich darum, dass es machbar gemacht wurde, dass dieses Krähenpärchen in Ruhe fertigbrüten darf und ein gültiges Gesetz eingehalten wird. Vielleicht kann sogar noch erwirkt werden, dass der Entscheid, den Baum zu fällen, noch einmal geprüft wird. Wie gesagt: sollte es wirklich der Fall sein, dass das Gemäuer vom Wurzelwerk beeinträchtigt ist, dann habe ich vollstes Verständnis dafür, dass der Baum ein Störfaktor ist und umgeschnitten gehört.

Sollte es aber nur darum gehen, dass die ausladende Zweige eventuellen Schaden an den Dächern anrichten können, dann soll doch bitte geprüft werden, warum es nicht genügen würde, den Baum einfach zurückzustutzen.

Ich habe mich mittlerweile an den Gedanken gewöhnt, dass ich den Baum in seiner vollen Laubespracht eventuell gar nicht mehr zu Gesicht bekommen werde. Hier muss ich dann halt mit einer üppigeren Bepflanzung am Balkon entgegenwirken. Schade wäre es auf alle Fälle, um einen Sauerstofftank direkt vor der Türe, einen wohltuenden Schattenspender und einen Lebensraum für Krähen und Singvögel wie Amseln und Stieglitze.

Ich werde euch auf alle Fälle auf dem Laufenden halten! Sollte jemand brauchbare Tipps haben, wie man eventuell eine neuerliche Prüfung eines Magistratsbescheids erwirken kann, dann freue ich mich auf eure Vorschläge! In der Zwischenzeit wird von Krähenseite aus munter weiter gebrütet und baumtechnisch schreitet das Austreiben voran…

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***UPDATE***:

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Gestern (23.4.) habe ich wieder meine Nachbarin getroffen. Sie hat mich darauf hingewiesen, dass seit ca. einer Woche am schwarzen Brett unseres Hauses der Bescheid des Bezirksamtes über das Fällen des Baumes ausgestellt ist. Spannend sind auf alle Fälle die angegebenen Gründe, warum der Baum entfernt werden muss. Wie gesagt, ich bin keine Expertin, doch habe ich selten einen Baum gesehen, der so im Saft steht wie das Exemplar in unserem Innenhof. Weiters war es auch interessant zu erfahren, dass bei Nachfrage bei der Hausverwaltung des Nebenhauses angeblich die Worte gefallen seien: “Ob i eam zruckstutz oder glei umschneid kumt ma aufs söbe!”… es bleibt interessant!

 

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