#heimatfueralle

Jun 23, 2015
wordpressadmin

Es ist jetzt einige Zeit her, dass ich den letzten Blog-Eintrag verfasst habe. Viel ist in der Zwischenzeit geschehen: ich war auf Reisen, hatte Tage mit hohem Arbeitspensum und Tage mit viel Leben, Liebe & Sonne. Die Wohnung ist zu meiner kleinen, feinen Rückzugsoase gereift, am Balkon wächst und gedeiht es. ( Die Bilder sind schon bereit, der nächste Blog-Eintrag folgt demnächst – versprochen! ).

Warum ich mich heute hinsetze und schreibe hat den Grund, dass ich es unerträglich finde, was momentan um mich passiert. Das Klima in unserem Land hat sich schon seit einiger Zeit verschoben, der Ton wird härter gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen aus dem Ausland, die bei uns leben und Menschen, die aus dem Ausland zu uns flüchten, in der Hoffnung, hier in Sicherheit zu sein. Das Internet öffnet Türen und Tore für all jene, die ihren Unmut kundtun möchten. Die sich, verborgen hinter ihren Bildschirmen, erdreisten, ihre hasserfüllten Parolen an die Öffentlichkeit zu bringen. Was mich in letzter Zeit so sehr erschreckt, ist, dass es wohl salonfähig geworden ist, eine Meinung darüber zu haben, die nichts anderes ist als menschenverachtend. Ich bin zu tiefst schockiert, dass vor allem viele junge Menschen gedanklich in eine Richtung gehen, die sehr weit rechts steht, die eine strikte Teilung zwischen WIR und DIE ANDEREN pflegen und denen es nicht zu dumm ist, oberflächliche und dumme Parolen ohne Gedanken wiederzukäuen.

Wir leben noch immer auf einer Insel der Seligen, hier in Österreich, hier in Europa. Wir haben alles: Nahrung im Überfluss, freien Zugang zu Bildung und ein Leben in Freiheit ohne Angst. Die rückläufigen Zahlen bei der Wahlbeteiligung der letzten Wahlen sind erschreckend: unsere Vorfahren haben für dieses Recht der Mitbestimmung gekämpft, uns scheint dies nichts mehr Wert zu sein. Wir haben alle eine Stimme, wir sind alle “der kleine Mann von der Straße”. Die Diskussion im Bildungsbereich ist eine Farce. Hier werden verzweifelt Löcher gestopft, obwohl es daran läge, das ganze Fundament zu sanieren. Die Vermittlung humaner Werte gehört hochgehalten, Ethikunterricht und Staatsbürgerkunde eine Selbstverständlichkeit. Wie soll eine neue Generation Mitgefühl und Güte entwickeln, wenn alles darauf abzielt, sie in einem wirtschaftlich orientierten System wettbewerbsfähig zu machen?
Immer weniger junge Leute haben in ihrem direktem Umfeld noch Menschen aus der Generation, die den Weltkrieg oder die Nachkriegszeit miterlebt haben. Auch wenn in den Familien oft nicht darüber gesprochen wurde, so war die bloße Anwesenheit der Älteren Zeichen, dass es sie gegeben habt, die Zeit, die viele vergessen wollten und wollen. Die Jahre davor, in denen das Klima immer rauer wurde bis irgendwann der Zeitpunkt kam, als das Anderssein einiger zum Stigma wurde und in weiterer Folge den Tod brachte…

Wir haben so viel hier in Österreich! Wovon wir Zuviel haben, ist eine Jammerkultur der Nicht-genug-Bekommenden und der Angst-dass-mir-wer-was-weg-nimmt Habenden!

Ein Land, in dem niemand hungern muss und wo täglich Tonnen an Essen weggeworfen werden…
Ein Staat, der über genügend leerstehende Gebäude verfügt, die Menschen sofort ein Dach über dem Kopf bieten könnten…
Eine Gesellschaft, die keinen Mangel an medizinischer Versorgung zu leiden hat…

Wir haben so viel hier in diesem Land, in das nun vermehrt Menschen kommen, die gar nichts mehr haben. An einigen Dingen sind sie jedoch mehr als reich: an Erinnerungen traumatischer Ereignisse, an den Verlust von Heimat und geliebten Menschen – und an der Hoffnung, dass ihr Leben hier bei uns besser wird.

Man braucht nicht viel um glücklich zu sein! Keine materiellen Güter können das Glücksgefühl ersetzen, das man hat, wenn man Zeit mit geliebten Menschen verbringt. Keine noch so große Wohnung kann das Gefühl von innerer Leere vertreiben. Keine Anhäufung von Gegenständen kann einen Schutzwall bieten, wenn die Einsamkeit zuschlägt.

Hass und Wut sind keine Werte, die unser Miteinander bestimmen dürfen. WIR und DIE ANDEREN gibt es nicht, kein Staat und keine Religion darf sich darüber hinwegsetzen, dass alle Menschen gleich an Rechten und Würde geboren werden. Wir haben viel, schätzen wir das – und helfen wir denen, die wenig haben! Setzen wir ein Zeichen und lassen nicht zu, dass sich unsere Gesellschaft in eine Richtung bewegt, in der Feindseligkeit, Neid und Missgunst den Ton angeben!

#heimatfueralle

Heimat